Initiationsrituale

Ursprüngliche Initiationsrituale wie etwa ein Feuerlauf gibt es in unseren Welten heutzutage nicht mehr sehr häufig.
Die Pubertät ist eine besondere Übergangszeit für die Jugendlichen und deren Eltern, die viele Chancen, Unsicherheiten und Herausforderungen in sich birgt.

Die bestehenden Möglichkeiten, in unserer Kultur, diesen Übergang zu begehen, sind rar und oft entsprechen sie nicht den wirklichen Bedürfnissen des Kindes. Den Jugendlichen fällt es oft schwer, diesen Schritt in die Erwachsenenwelt aus eigener Kraft zu gehen, sie fühlen sich darin allein gelassen, etwas in Ihnen schreit, meist unbewusst, nach Initiation, die dann zum Teil ungeschützt durch Mutproben und ähnliches begangen wird.

Ich betrete mit den Jugendlichen einen Raum, in dem sie sich begleitet und in ihrem Prozess bezeugt und gesehen fühlen. Diese Initiationsrituale entstehen in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und deren Familie, wobei auch die Familie, die ihr Kind entlässt, gewürdigt wird.

Ein Feuerlauf ist eine mögliche, sehr kraftvolle Form des Übergangsrituals und kann in einem relativ kleinen zeitlichen Rahmen stattfinden. So kann solch ein Feuerlauf im kleinen Kreis oder in der großen Familie an einem Wochenende oder an einem einzigen Tag stattfinden. Für einen Initiationsfeuerlauf schaffen wir mit allen Beteiligten (der ganzen Familie und/oder Freunden) einen liebe- und kraftvollen Rahmen, in dem wir gemeinsam zurückschauen auf die Kindheit, um uns dann auf den Abschied dieser Zeit mithilfe unterschiedlichster Übungen, Rituale und Formen des kreativen Ausdrucks vorzubereiten. Das Kind über die heiße Glut zu begleiten oder Zeuge zu sein, wenn das Kind diesen Schritt tut, es zu empfangen in der Welt der Erwachsenen am Ende des heißen Glutteppichs- das ist dann der Höhepunkt und ein stark verbindendes, unvergessliches und magisches Erlebnis für alle Beteiligten.

Wenn es einen Wunsch gibt, Initiation auf eine andere kraftvolle Art und Weise zu erleben, nimm gern Kontakt zu mir auf.

Feuergeist

Mein erster Initiationsfeuerlauf

Vor einigen Jahren habe ich eines meiner ersten Initiationsrituale in Form eines Feuerlaufs für die damals 14-jährige Mona geleitet. Die Familie kam auf mich zu, nachdem sie einen Flyer von mir gefunden hatte. Sie war auf der Suche nach einer Alternative zur Konfirmation. Die Familie wollte diesem Übergang in eine neue Lebensphase mehr Tiefe und Bedeutung geben, als es diese bestehenden Rituale zu tun vermögen. Bei unserem Vortreffen wurde schnell klar: Ich habe große Lust darauf, und: Es wird eine Herausforderung. Es würden einige Familienmitglieder zusammenkommen im Alter von ca.12 bis 80 Jahren, davon würden sich manche das erste Mal seit langem wieder begegnen, darunter gab es sehr konfliktgeladene Beziehungen. Nichts desto trotz war es Mona wichtig, all diese Menschen einzuladen, Zeug*innen bei ihrem Ritual zu sein. Überhaupt war dieses Mädchen sehr mutig, auch hatte ich großen Respekt vor den Eltern, dass sie sich auf dieses ungewöhnliche Familienfest einlassen würden, zumal niemand mich zuvor kannte.

Die Vorbereitung war intensiv. Wie all diese verschiedenen Menschen unter einen Hut bringen? Zum großen Teil waren es Menschen, die niemals an einem Feuerlauf teilnehmen würden und nur Mona zuliebe da waren. Ich entschied mich für eine etwas andere Art der Einstiegsrunde. Es kannten sich alle, ich kannte außer den Eltern und Mona niemanden. Es gab eine Runde, in der jeder/jede ein anderes Familienmitglied vorstellt mit einer typischen, besonderen Qualität oder einer kleinen persönlichen Geschichte. Und siehe da – das erste Eis schmolz dahin und die Verbindung war hergestellt. Puh-eine Hürde war somit genommen.

Erstmal fand alles in einem Zelt im Garten statt, denn es regnete in Strömen. Das Schöne war, dass der Feuerlauf im Garten der Familie stattfinden konnte mit Blick auf die Hochburg in Emmendingen.

Es gab die üblichen Einführungen, die nötig waren, damit die Familie wusste, auf was für ein Abenteuer sie sich einlassen würde. Denn schließlich waren alle eingeladen, selbst für ihr eigenes Anliegen übers Feuer zu gehen und nicht nur Zeugen, Zeuginnen für Mona zu sein. Keiner musste-alle durften, ein wichtiger Grundsatz beim Feuerlaufen. Alle bekamen Aufgaben, denn es ging nun darum, den Feuerlauf gemeinsam vorzubereiten. Die Eltern gingen auf einen Spaziergang zu zweit und ließen sich von der Natur inspirieren. Sie setzten sich mit ihrer Tochter auseinander, jeder für sich in der Rolle als Vater und Mutter, aber auch gemeinsam im Gespräch. Was lassen wir als Eltern los, was wünschen wir ihr auf ihrem Weg, welche Erinnerungen an die gemeinsame Zeit begleiten uns?

Auch Mona war unterwegs und nahm auf einem Spaziergang Abschied von ihrer Kindheit, gestaltete für sich ein kleines Naturkunstwerk zu ihrer Kindheit.

Die anderen Familienmitglieder, Tanten, Onkels, Oma, Cousins…gestalteten in der Zeit ein Mandala aus Blumen und anderen Naturmaterialien, auf welchem später das Holz für das Feuer gestapelt wurde. Außerdem schwelgten sie in Erinnerungen an Mona und an besondere Erlebnisse mit ihr, sie erzählten sich Geschichten, die sie mit Mona im Laufe ihrer Kindheit erlebten und sie gaben mit dem Legen des Mandalas Wünsche für Monas Zukunft in die Basis des Feuers, die dann später mit dem Rauch ins Universum gehen durften.

Das eigentliche Ritual des Feuerlaufs rückte näher und näher. Die Atmosphäre wurde dichter. Es wurde gesungen, letzte Fragen wurden beantwortet, während der gemeinsam angezündete Holzstapel brannte, welcher von einer Freundin gehütet wurde. Mona wurde durch ein intensives Vorbereitungsritual geführt, in dem sie letzte Hindernisse durchbrach und in dem sie ihre Verwandten den Atem anhalten ließ. Dann ging es zum Feuer. Nach Ausrechen und Segnen des Feuers war Mona diejenige, die den Feuerlauf eröffnete. Einige folgten ihr, manche bezeugten „nur“, alle waren gebannt von der Magie des Feuers und der Stärke dieses Mädchens. Das Feuer wurde von oben durch den nicht enden wollenden Regen gesegnet.

Beim gemeinsamen Essen im Anschluss waren alle befreit, stolz und glücklich. Die Familie fand auf eine Art wieder zusammen, wie es vorher keiner vermutet hätte und Mona war an diesem Abend zur jungen Frau geworden, was für alle deutlich spürbar war und auch den Eltern ein weiteres Mal bewusst wurde. Mona hatte in dieser Nacht wirklich Feuer gefangen und sie absolvierte selbst Jahre später die Ausbildung zur Feuerlaufleiterin, in der ich sie auch begleiten durfte.

Dieser Feuerlauf war sicher einer meiner kraftvollsten. Es war herausfordernd und so berührend und schön, eine ganze Familie durch diesen Prozess begleiten zu dürfen.

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